Wenn man sich die Geschehnisse um sich herum vergegenwärtigt, darf man sich glücklich schätzen
weitestgehend gesund, die eigene 40 anzusteuern.

Und doch blickt der ein oder die andere, hier eher
skeptisch auf den bevorstehenden Runden.
Zwischen „mir reicht ́s“ und „bitte jetzt noch nicht“. Bevor sich Dumme auf den Schlips getreten
fühlen – ich philosophiere da hauptsächlich über mich. Klar! Warum sollte ein Narzisst auch über
die wirklich wichtigen Dinge im Leben schreiben?
Da heile ich mich doch lieber selbst und unterhalte andere, bevor ich mein aufgesetztes Mitleid
kundtue. Eine von mir gelebte Doppelmoral? Erst dachte ich mir, schreibst über Feminismus. Aber
das können andere Männer besser. Das Neger-Ding wird für mich auch langsam fad. Ich merke es
ja an mir selbst. Eine festgefahrene Meinung ist in der Tat sehr schwer zu ändern. Also warum sich
die Mühe machen?!
Ich werde ruhiger. Höre mehr zu. Erfahre immer mehr über mich – den größten Vollpfosten den ich
kenne.
Das fühlt sich toll an.
Und immer wieder diese verhurten ersten Impulsgedanken, deren Entstehung in das Kindesalter
zurückzuführen sind.
Ein Beispiel:
Eine 37 Jährige, nicht mehr fette Frau, die seit zwei Jahren einigermaßen nicht fett aussieht (mit
Kleidung), fast ihr ganzes Leben lang aber fett war, erschrickt trotzdem jedes mal innerlich wenn
sie das Wort „Fett“ hört.
Für immer Narben im Gehirn. Für die wir nichts können, für die wir aber auch nicht schonungslos
andere in Verantwortung ziehen dürfen.
Es gilt also soviel über sich herauszufinden und nachzujustieren wie es nur geht. Stellt euch vor –
ich komponiere gar nicht den besten Sound des gibt.
Witzig.
Traurig.
Seitdem ich auch nicht mehr auf der Straße singen darf, verirren sich immer weniger Cents auf
mein Bankkonto. Staatliche Hilfen bekomme ich keine. Zumindest hat die letzte
Tantiemenausschüttung der GEMA, mir die letzten zwei Monate den Arsch gerettet. MIMIMI
Pour out a little Liquor! Auf die Kunst!
Ich bin verbittert, meine Verlobte geht mir auf den Sack und mein Spiegelbild mir auch.
Mich düngt nach einem Rausch in meiner Lieblingsboazn. Aktuell (vor einigen Monaten das letzte
Mal) verweile ich am liebsten im Café Einhorn. Mir gefallen Bars, in denen die KellnerInnen
mindestens genauso dicht sind wie man selbst. Zumindest erlebte ich bis jetzt nichts gegenteiliges.
Oder doch?
Ich habe euch im letzten Brief u.a. ein wenig über die fünf Phasen der Trauer erzählt und dass ich
derzeit zwischen den letzteren beiden schwebe.
Depression und Akzeptanz.
Solange ich keine Sensationszeitungen lese, Nachrichten gucke, nicht zu viel kiffe oder mich
zulange in den sozialen Medien aufhalte, geht es mir recht gut.
Meine Geheimwaffe derzeit ist Spazierengehen. Krass wie sich nach einer Weile, alles so im Hirn
einpendelt. Ich habe es auch endlich geschafft meine Ernährung umzustellen. Alle
Klugscheißergesundheitsphrasen werden immer mehr zur Religion.
Wie heftig sich die Sichtweisen doch ändern. Vor Jahrzehnten habe ich mich noch alleine über das
Wort „Meditation“ lächerlich gemacht. Jetzt mache ich mich lächerlich, wenn ich nicht mindestens
vier mal die Woche meditiere.
Witzig.
Traurig.