Brotlose Kunst?

Mythos KünstlerIn. Born and raised in Bavaria. In einem Ort, in dem sie dich ausgelacht haben, wenn du aus der christlich sozialen braunen Reihe tanzt. Union wird von mir coloriert, nicht toleriert. Ich weiß noch wie wir uns damals über einen Bekannten lustig gemacht haben. Einen Hippie. Mann mit langer Matte und dann noch bekennender Yogi. Die verrückte Malerin, mit Haaren unter den Achseln, die kaum Geld besaß. Oder der Musiker mit seinem Fiat Cinquecento, der gefühlt jeden Tag das Gleiche anhatte. „Traditionelles“ Denken.

Über Jahrhunderte von Groß zu Klein weitergegeben.

Da kommen so viele ekelhaften Faktoren zusammen. Erst mal die Kirche. Ultra unangenehm. Gut das ich bereits vor Jahren ausgetreten bin. Die Konservativen, deren Gesinnung meist mitte rechts einzuordnen ist. Das total veraltete Schulsystem. Die Gesellschaft selbst mit ihren komischen Werten und Zielen. Dann noch der gelebte Psalm – brotlose Kunst… LOL. Um die geht es in diesem Blog. Die Kunst. Am meisten verletzen mich Aussagen wie. „du hast ja eh Zeit…“, oder „okay – aber das ist ja keine richtige Arbeit.“ Das tut nicht nur immens weh, sondern es ist auch voll disrespecting und schmal horizontiert. Die Politik und die Gesellschaft bestätigen das derzeit. Ich kauf mir eine Tageszeitung mit 40 Seiten. 37 Seiten uninteressanter Clickbait Schrott, drei Seiten Kultur irgendwo hinten.

“Du hast ja Zeit”

Ich habe eine interne Umfrage bei MalerInnen und MusikerInnen gemacht. „Wie lange braucht ihr für ein Werk – mit allem drum und dran?“ Davon habe ich den Schnitt bemessen. Das Ergebnis – elf Stunden. Die natürlichen „Fehlversuche“ und nicht veröffentlichtes Material rechne ich gar nicht mit rein. Damit ist es aber nicht getan. Hinzu kommt der Zeitaufwand für die Vermarktung, Performance,
Rüstzeiten etc. KünstlerIn zu sein ist ein fucking Fulltime Job.
Kennt ihr die gefühlte psychische Talfahrt nach jedem größeren, längeren oder wichtigeren Projekt? Man fühlt sich erschöpft. Das haben wir KünsterInnen ganz oft. Mir geht es so nach jedem Song.
Ich brauch beispielsweise im Schnitt für einen Song 26 Stunden. Danach bin ich erst mal platt. Ich mach das gerne, aber ich möchte das es auch wertgeschätzt wird. Es ist so lächerlich was um uns herum passiert. Das ehrlichste Handwerk der Welt – vergessen und
im Stich gelassen. Aber Hauptsache der scheiß Ball rollt:

  • Fußball
  • Kinder berühren im Namen Jesu
  • Korruption
  • Pyramide und die verhurten ein Prozent
  • Frau und AusländerIn
  • Politik

Fuck the System…!?

Ich wette du steckst, genau wie ich auch, in diesem System. Ich weiß dass ich mit meinem Konsum Strukturen unterstütze, deren FadenzieherInnen ich sicherlich nicht zum Essen einladen würde. Angenommen man bricht voll und ganz aus dem System heraus. In meiner Vorstellung müsste ich dann im Wald als Selbstversorger leben. Hab ich da Bock drauf? Selbst wenn ich das schaffen würde – die oberen ein Prozent ficke ich damit trotzdem nicht. Möchte ich auch gar nicht. Ich will nur Musik machen 😉
Aber wohnen, essen und leben möchte ich auch. Welche Institution zahlt mir den Ausfall? „hättest halt was gescheitest gelernt!“
Brotlose Kunst? Bringt dich dein Mittagessen zum weinen oder zum lachen? Motiviert dich ein Stück Holz? Wer füttert unter anderem deine Seele? Der Papst? Show some Respect! Zeig mehr Solidarität. Öffne deinen Browser und sorge für Klicks und Plays.
Kauf dir Kunst aus deiner Nachbarschaft. Unterstütze Kunstschaffende durch Spenden und mehr Aufmerksamkeit.
Das wünsche ich mir von Herzen für die Kunst. Sie hat es mehr als verdient.

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Als ich 2018 bei X Faktor mitgemacht habe und mit „Erinnert Euch“ einen gefühlten Erdrutschsieg feierte, war ich der Auffassung – jetzt hast du ́s geschafft. N Scheißn!!!!!
Ich darf ausholen.
Bei einer Big Band Probe unter der Leitung von Thilo Heinrich, einem begnadeten Filmmusik Produzenten, saß ich als Teenager am Piano und klimperte zu „Cantaloupe Island“ von Herbie
Hancock. Die Erinnerung daran ist glasklar. Ich verspürte einen intensiven Drang meinen Mund zu öffnen und meine Stimmbänder als neues Mitglied der neunköpfigen Band vorzustellen. Während meine Finger über die Tasten huschten, überlegte ich mir, wie ich diesen Wunsch äußern sollte. Vergebens.


Zwei Jahr später führte mich mein Verlangen zu einem schrulligen Kauz. Er ist Psychologe und war Bandleader einer Rockband namens „Fou blanc“. Mehrere Monate sang ich seine Songs in Wirtschaften, bei Privatleuten oder auf Straßenfeste.


Ein guter Einstieg. Gute Schule. Aber nicht meins.


Ich entdeckte die Welt der Musikprogramme. Von „Magix Musicmaker“ über „Fruity Loops“ zu
„Pro Tools“ bis hin zu „Cubase“. So hats angefangen. Die ersten Gehversuche mit Freunden, die auch Mukke machen wollten. Kev,
Danilo und Tim. Wir machten Teenager Straßenrap. Ich erinnere mich, dass ich vergebens nach
einer Möglichkeit suchte, auftreten zu können. Das klappte erst mit „Taktattackers“. Die Hip Hop Combo aus Masu, Mr Mephisto und mir. Wir tourten einige Jahre durch den „DACH
Raum“. Bis ich mein erstes Musikvideo mit Flat produzierte – „Wie du“. Von da an war für mich klar, dass ich Solo weitermachen muss. Die Zeit bei X Faktor verstärkte mein Vorhaben. Also
trennte ich mich von den Jungs. Ich tat das auf eine feige Art und Weise. Ich log, was die eigentlichen Gründe betrafen. Es wollte nicht über meine Lippen zu sagen: „Ich möchte Solo
weitermachen, weil ich der Meinung bin alleine musikalisch mehr erreichen zu können. Fun Fact – ich habe seit dem Austritt von „Taktattackers“ auf keinem Gig gespielt, das mehr Publikum hatte als zu dieser Zeit.


Kurz vor Sido, Thomas Anders und Co., produzierte ich „Mein Erstes“. Die erste Release Party sollte kommen. Veranstaltungsort war die „Asta Kneipe“, eine Szene Kneipe/Bar/Disco in
Rosenheim. 20 Kilometer von meinem Heimatort entfernt. Hierfür lud ich mir Verstärkung ein aus Baden Württemberg. Die „Flowristen“ sollten als Vorband agieren.
Wir saßen an besagtem Tag zwanzig Meter vor dem Haupteingang von der Asta. Es kam ein zahlender Gast. Das warf mich richtig zurück. Ich war der Auffassung, der Bekanntheitsgrad durch
diese Castingshow würde reichen, die Bude zu füllen. Drei Jahre später habe ich nun eine ähnliche Situation. Meine dritte Release Party (eigentlich die zweite, weil diese ja nicht statt fand), steht vor der Tür. Wieder nach einer Castingshow. Als würde ich das gewollt so timen 😉 😉 😉 😉
Jetzt gehe ich ein wenig gelassener an die Sache ran. N Scheißn!!!!
Die Angst vor leeren Rängen zu spielen ist größer denn je.


Dieses mal bin ich sogar finanziell verantwortlich, da ich mich ins Fluc einkaufen musste. Und die Band mit der ich spiele (die Jungs Spitting Ibex), nur bezahlt auf die Bühne kommen. Verständlicher Weise.


Stand heute (24.07.) – zehn verkaufte Vorverkaufstickets!!!! Es ist zum Scheiße schrein? Auf gar keinen Fall! So oder so – Musik ist mein Ding. Frag deinen Tischnachbarn 😉
Liest du diesen Text, wohnst in Wien und hast am 29.07. Zeit ins Fluc zu kommen, dann beweg deinen süßen Hintern und schau vorbei!!! Ich würde mich sehr freuen.